Kunas Modernus
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Lichtblick

Lichtblick
Eine choreographische Arbeit von Gerda Raudonikis

Im Rahmen der Braunschweiger Kulturnacht.
Am 13. September 2014, um 18.30 Uhr, in der St. Andreaskirche Braunschweig

Lichtblick – Ein Tanztheater von der esistso!company, oder: so ist es!

Die esistso!company der Lebenshilfe Braunschweig führte rund um den 5. Mai, dem europäischen Protesttag für Menschen mit Beeinträchtigungen, das Tanztheaterstück »Lichtblick« in der St. Andreaskirche auf. Die choreografische Arbeit zu dem Stück übernahm Gerda Raudonikis. Dabei sollte das Thema »Hoffnung« im Mittelpunkt stehen; weit entfernt von Zukunft und Vergangenheit. Es ging um das hier und jetzt.

Während ich hier sitze und darüber schreibe, weiß ich, dass mein Bericht nicht annähernd wiedergeben kann, was ich am 10. Mai in der St. Andreaskirche miterleben durfte. So leicht es auch sein mag, Tatsachen niederzuschreiben, so schwer wird es, die richtigen Worte zu finden, wenn wir Teil eines Kunstwerkes werden.

Das Tanztheaterstück nahm mich mit auf eine experimentelle und teils skurrile Reise. In einer Stunde huschten mir mehrere Lächeln über die Lippen, wenn ich sah, mit wie viel Leidenschaft die esistso!company performte. Dennoch wusste ich nie, was im nächsten Akt passieren würde. Das Theaterstück hatte das geschafft, was so viele angebliche Kunstwerke, die ich mir bisher ansah, nicht schafften: Ich blieb im Moment. Ich blieb im hier und jetzt.

Die esistso!company hielt mir im sinnbildlichen wie auch im wörtlichen Sinne einen Spiegel vor, als einige Darsteller zu fernen Klängen, die durch die Kirche hallten, mit Holzrahmen durch den Raum tanzten, die mit halb durchlässiger Spiegelfolie bezogen waren und diese auf die Gesichter des Publikums richteten. Als Zuschauer sah ich mich, aber auch den Darsteller hinter meinem Spiegelbild.

Ich sah durch die Reflektion mein Spiegelbild in dem Darsteller und zugleich den Darsteller dahinter; wie eine untrennbare Projektion. So musste ich daran denken, wie oft wir uns selbst in unserem Gegenüber sehen. Fragen wie: »Was wäre, wenn ich«, sollten jedem von uns bekannt vorkommen. Das Leben ist ein Wechselspiel aus wahrnehmen und wahrgenommen werden, wobei das, was wahr ist, nur subjektiv zu sein scheint. Denn ich glaube, dass jeder Zuschauer, eine andere Wahrheit in der Wahrnehmung wahrgenommen hatte.

Als Kunststudentin setze ich mich oft mit der Frage auseinander, was Kunst für mich bedeutet. Vielleicht ist auch schon die Frage nach der Kunst die Antwort, dass es sich um Kunst handelt. Ich habe gelernt, dass mir einiges als Kunst vorgestellt wird, obwohl ich nichts Künstlerisches darin sehe. Ebenso kommt es vor, dass ich in Dingen Kunst entdecke, die für Kunstwissenschaftler in etwa so wenig »avantgarde« sind wie Fußballfans. Es ist nicht die Kunst, die mir vorschreibt, sie als solche zu empfinden, sondern jene, die sich für einen Richter über ihre zahlreichen Facetten halten. Jene die glauben, mit ihrem Urteil zwischen Kunst und Trash unterscheiden zu müssen – was bei mir die Frage aufwirft: Warum müssen sie das?

Die Frage ob es Kunst ist, wenn wir hinsehen, lässt sich wahrscheinlich genauso gut beantworten, wie die Frage, ob es einen Mond gibt, wenn niemand hinsieht. Einige sehen schwarz, einige sehen einen Mond. Und ich? Ich sah in diesem Fall den Lichtblick, den das Stück versprach.

Meine Antwort auf die Frage nach dem, was Kunst für mich bedeutet, habe ich bereits gefunden. Kunst bedeutet für mich, dass mich etwas bewegt. Dass etwas mit mir geschieht, wenn ich etwas betrachte. Dass ich überrascht werde. Dass mir mein eigener interpretatorischer Spielraum geboten wird.
Und wenn ich daran denke, wie viele Kunstwerke ich mir bisher ansah und wie wenig davon meiner Vorstellung von Kunst entsprachen, umso mehr freue ich mich, dass ich in der St. Andreaskirche endlich wieder einen künstlerischen Lichtblick entdecken und sogar ein Teil von ihm werden durfte. Jasmin Rychlik

esistso!company: Kadir Akyüz, Stefan Bogdoll, Gabriele Daskiewicz, Stefan Heims, Sebastian Koenders, Dorota Ostojski, Petra Pressel, Linda Rohloff, Ugur Salcan, Kathrin Schrader, David Somrei | Regie/Choreografie: Gerda Raudonikis | Gruppenleitung: Dorota Ostojski | Orgel: Hans-Dieter Karras | Musikkomposition: Peter M. Glantz | Kostümbild: Eva-Maria Huke | Fotografie: Uwe Brodmann

Gefördert von: Lebenshilfe Braunschweig, Aktion Mensch, Stiftung Mundstock, Stadt Braunschweig.


Wanderer im fremden Land

WANDERER im fremden Land
Ein Tanzstück von Gerda Raudonikis

Im Rahmen der Braunschweiger Kulturnacht.
Am 13. September 2014, um 21.00 Uhr, im Staatstheater Braunschweig (Haus III)

Das Thema Migration und die damit verbundenen Facetten stehen im Vordergrund von Gerda Raudonikis Stück WANDERER. Seit dreizehn Jahren, seit der Gründung von Kunas Modernus, werden Tanzstücke produziert, in denen verschiedene Bewegungsformen mit unterschiedlichem kulturellen Kontext zusammen wirken und Tänzer unterschiedlicher Nationalität tanzen. Auch WANDERER bringt diese Aspekte auf die Bühne. Es ist ein performativer Mix aus zeitgenössischen und klassischen Tanzformen zu Percussion und E-Gitarre.

Tanz: Marina Antoniou, Jill Niesporek, Paola Zadra | Musikalische Leitung/Percussion: Sebastian König | E-Gitarre: Michael Fischer | Regie/Choreografie: Gerda Raudoniki | Dramaturgie: KarlHeinrich Weghorn | Bühne/Kostüme: Gerda Raudonikis | Assistenz: Melanie Sapendowski | Foto: Uwe Brodmann

» ... Drei Tänzerinnen, die Italienerin Paola Zadra, die Griechin Marina Antoniou und die Deutsch-Philippinin Jill Niesporek verharren erst einmal minutenlang im seelischen Niemandsland zwischen Bleiben und Aufbruch. Von der Decke hängende Papierbahnen teilen die Bühne. Durch die Schlitze tasten sich Arme Richtung Zuschauer. Papierbahnen werden geknautscht, gestrafft und nach vorne geschoben. Die Körper der Tänzerinnen noch lange verdeckt. Auf dem Papier die huschenden Silhouetten ihrer Körper.«

»›Ich bin angekommen, mir geht’s gut, eigentlich immer besser.‹ Das Ganze hat nichts von einer gesellschaftlichen Anklage. Uns könnte es genauso gehen. Im eigenen Land. Langer Beifall für alle und natürlich auch für die glückliche Regisseurin und Choreografin Gerda Raudonikis.« Harald Duin, Braunschweiger Zeitung

Gefördert von: Stiftung Nord/LB-Öffentliche, Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz, Stiftung Niedersachsen, Stadt Braunschweig.


Hinter den Kulissen - Ausstellung

Hinter den Kulissen
Eine Ausstellung mit Fotografien von Uwe Brodmann

Im Rahmen der Braunschweiger Kulturnacht.
Am 13. September 2014 in der St. Andreaskirche in Braunschweig

Seit einigen Jahren begleitet der Braunschweiger Fotograf Uwe Brodmann die esistso!company der Lebenshilfe Braunschweig bei der Arbeit in den Werkstätten, im privaten Umfeld und bei den Theaterproben und -aufführungen. Die neuesten Bilder stammen von den Proben des Tanztheaterprojekts »Lichtblick«.

Gefördert von: Lebenshilfe Braunschweig, Aktion Mensch, Stiftung Mundstock, Stadt Braunschweig.